„Ich freue mich, dass ich mich freu…“

„Die jungen Alten“ luden zu einer musikalischen Lesung in die Kunstakademie ein

„Jage die Angst fort und die Angst vor der Angst…“ Der Satz von Mascha Kaléko prägt ihr Leben. Als Jüdin musste die Lyrikerin, die im Berlin der 20-er und 30-Jahre zur künstlerischen Avantgarde zählte, Verfolgung fürchten, ihre Bücher wurden als „schädliche und unerwünschte Schriften“ verboten, sie emigrierte in die USA und kam erst nach dem Krieg für einige Jahre zurück nach Deutschland.

Bei einer musikalischen Lesung waren die Stationen ihres Lebens ebenso Thema wie ihre Gedichte und Prosa. „Die jungen Alten“ hatten mit Heidrun Grote, der Leiterin der Theaterschule in Nettersheim, und der Musikerin Jasmin Khalil zwei Künstlerinnen eingeladen, die Mascha Kaléko in all ihren Facetten vorstellten. Heitere Zeilen wie „…ich freu mich…, dass Brummer brummen, dass rote Luftballons ins Blaue steigen, dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen“, waren ebenso darunter wie Melancholisches: „All meinen Schmerz ertränke ich in Küssen. All mein Geheimnis trag ich wie ein Kind. Ich bin ein Blatt, zu früh vom Baum gerissen. Ob alle Liebenden so einsam sind?“

Mascha Kaléko ist oft mit Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Joachim Ringelnatz verglichen worden. Und doch hat sie mit ironischem Witz und ihrer Melancholie einen eigenen Stil entwickelt, der sie im Berlin der 30-Jahre als Meisterin der „Neuen Sachlichkeit“ berühmt machte, und der noch heute berührt.

Mit schauspielerischer Kraft und sichtlicher Empathie trug Heidrun Grote Gedichte und Texte rund um das Leben von Mascha Kaléko vor. Jasmin Khalil spielte auf dem Flügel, auf Harfe und Gitarre. Und sie sang eigene Kompositionen – zu den Texten der Lyrikerin.

Rund 60 Zuschauer erlebten einen stimmungsvollen, eindringlichen Abend im Palas der Burg. Erstmals hatten die „Jungen Alten“ die Veranstaltung mit Lucia Schlösser, der Leiterin der Internationalen Kunstakademie, gemeinsam organisiert. Mit Erfolg. Das letzte Gedicht zauberte allen ein Lächeln ins Gesicht und weckte den Wunsch nach einer Zugabe:

„Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne und an das Wunder niemals ganz gewöhne, dass alles so erstaunlich bleibt, und neu! Ich freue mich, dass ich …dass ich mich freu.“

 Heidrun Grote (rechts) und Jasmin Khalil.                                                                

Nach der Veranstaltung servierten Hilde Amrein, Vorsitzende der „Jungen Alten“, und Eventmanagerin Ulrike Schwieren-Höger einen Umtrunk.

Fotos: Walter Schöller

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