Ein Lied kann auch Erinnerung sein

Die Sängerin Gaby Koof und die Musiker Andreas Lasonczyk und Gerd Brenner gastierten auf Einladung der „jungen Alten“ in der EvA. Viel Beifall war ihnen sicher.

Manchmal ist es wie ein Schock: Plötzlich und unerwartet erklingt eine Melodie, und wir fühlen uns zurückversetzt in die Jugend, als der erste Kuss den Abend versüßte oder ein Geburtstag ausgelassen gefeiert wurde. Die Sängerin Gaby Koof liebt solche Momente: Für Ihr Programm „Lieder, die mich tragen“ wählt sie Chansons zu Szenen ihres Lebens aus und erinnert sich damit an glückliche und weniger glückliche Momente.

Als sie beispielsweise mit 15 Jahren als Austauschschülerin in einem Bergdorf der Bretagne lebte, hat George Moustaki ihr Heimweh gelindert. Die Gitarre im Arm spielte und sang sie unermüdlich „Ma Liberté“ und verliebte sich dabei unsterblich in den Sänger. „Ein paar Jahre später habe ich ihn in einem Live-Konzert gesehen und dachte: Er ist vielleicht doch ein wenig zu alt für mich“, schmunzelt sie auf der Bühne der EvA.

Auf Einladung der „Jungen Alten“ gastierte sie erneut mit ihren hervorragenden Musikern Andreas Lasonczyk am Klavier und Gerd Brenner am Kontrabass in Heimbach und erzählte und sang dabei aus ihrem Leben. Bei einem Auslandssemester im spanischen Salamanca wurde “Contigo aprendí” des Mexikaners Armando Machado ihr Hit, und auch Nena hat sie zu einer eigenen Interpretation animiert: „In meinem Leben“ sang sie so innig auf Kölsch, dass kein Zweifel blieb: Dieses Lied und sein melancholischer Rückblick erzählt auch von der Sängerin Gaby Koof.

Kölsch ist eine beliebte Variante ihres Programms., zum Beispiel bei ihrem Lieblingssong „Freiheit“ von Monika Schweden, das auf Kölsch die schöne Zeile von Elfi Steickmann trägt: “Fröher kennt ich Dich och ohne Wööd verstonn”. Und sogar Udo Lindenberg hat sie zu einem Song animiert, „Das Leben“ klingt bei ihr nicht nach genuschelter Röckröhre, sondern ist mit viel Mut durchsetzt: „Nimm Dir das Leben und lass es nicht mehr los…“

Einer ihrer Lieblingssänger aber ist Klaus Hoffmann, der auch gerne leise Töne anschlägt.und den sie immer wieder zitiert: “Mein Weg ist mein Weg ist mein Weg“ beschreibt auch ein Stück Weg von Gaby Koof.

Nach all diesen melancholischen Aufforderungen, das eigene Leben musikalisch zu durchleuchten, fragte sich am Ende auch mancher im Publikum: „Welche Lieder haben mich denn begleitet auf meinem ureigenen Weg?“ Eine Frage, die manche Erinnerung birgt und manchmal glücklich machen kann.                                     ush

Ein Lied kann eine Erinnerung sein: Gaby Koof in Heimbach.

Hervorragend am Klavier: Andreas Lasonczyk.

Der Meister am Kontrabass: Gerd Brenner.

Text: ush/ Fotos: Walter Schöller

„Standing ovations“ für eine Diva

Gaby Koof erinnerte an Hildegard Knef – 110 Zuschauer ließen sich begeistern

Es gibt Menschen, die sind nicht vergessen, und es gibt Lieder, die über Generationen weitergetragen werden. Hildegard Knef und ihr Song „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ gehören dazu. Und das hat einen Grund: Es war nicht nur die Stimme der Knef, rauchig, voller Tiefe, die uns berührt hat. In ihren Liedtexten erzählt sie, was das Leben mit sich bringt: Liebe und Verlust, Sehnsucht und Hoffnung, Glanz und Melancholie.

Grund genug, mit einer Hommage an Hildegard Knef zu erinnern. Die Idee kam gut an: Bis auf den letzten Klappstuhl war das Begegnungszentrum EvA besetzt. 110 Zuschauer wollten noch einmal der Knef begegnen, die nicht nur Sängerin, sondern auch Schriftstellerin und gefeierte Schauspielerin war.

Mit Gaby Koof hatten die „Jungen Alten“ eine Sängerin engagiert, die schon als Kind in der „guten Stube“ der Oma die Schallplatten der Knef auflegen durfte, um danach zu singen – auch vor alleinstehenden Damen in der Nachbarschaft, die ihr dafür ein leckeres Eis spendierten.

„Meine Mission ist, Ihnen zu zeigen, dass es weit mehr Hörenswertes gibt als die „Roten Rosen“, sagte Gaby Koof. Aus dem rund 300 Titel umfassenden Knef-Repertoire hatte sie auch unbekannte Stücke ausgesucht: Witzig kam das Lied „Guten Morgen, Paul“ daher, denn da wurde kurios das Zusammenleben eines ungleichen Paars beschrieben.

Von glücklicher und unglücklicher Liebe ist in vielen Stücken die Rede, und auch die nachdenkliche Knef-Lyrik kam nicht zu kurz: Das Gedicht „Du siehst nach gar nichts aus“ ist die Studie einer Frau, die von Kind an diesen Satz gehört hat und ihn schließlich in ihrer Außenwirkung verkörpert – als einsame Unglückliche.

Und selbstverständlich kamen auch die Knef-Hits nicht zu kurz: „Ich brauch Tapetenwechsel“ war ebenso dabei wie „Eins und eins, das macht zwei“, „Ich möchte am Montag mal Sonntag haben“ oder „Aber schön war es doch“.

Gaby Koof zur Seite standen der Pianist Andreas Lasonczyk, der die Songs arrangiert hatte, virtuos Jazzelemente setzte und damit einen frischen, neuen Sound kreierte. Großartig. Gerd Brenner brillierte am Bass und gab dem Trio Rhythmus und Tiefe. Ein gelungenes Zusammenspiel, das den Effekt der intimen Kammermusik unterstrich, die das Bühnenbild mit der herrlich altmodischen Stehlampe hervorzauberte.

Als zum Schluss die Hymne erklang „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ hatten Gaby Koof und ihre Musiker das Publikum längst gewonnen. Laut riefen die Zuschauer nach einer Zugabe, ein Wunsch, der mit einem besonderen Leckerbissen erfüllt wurde: Da Gaby Koof sich auch mit kölschen Liedern einen Namen gemacht hat, sang sie einen eigenen Song: „Freiheit“ hieß er, ein Stück mit ganz viel Gefühl, „denn Freiheit kann man nit koofe, sie ist en Jeschenk“.

Das Publikum bedankte sich mit „Standing ovations“.                                                     ush

Fotos: Walter Schöller, Text: ush