Nur wer gut beobachtet, kann auch gut malen

Zu Besuch bei der Malergruppe der „Jungen Alten“ unter Leitung von Ernst Bernhauser

Es ist still im Malersaal der Kunstakademie. Zehn Frauen sitzen an Holztischen und schauen konzentriert auf ihre Malblätter. Eine Landschaftsszene aus dem Wildpark Schmidt steht auf dem Programm, denn diese Einrichtung war der Gruppe der „Jungen Alten“ unter Leitung von Ernst Bernhauser einen Besuch wert. Konzentriert haben sich die Hobby-Malerinnen dort umgesehen und fotografiert. Was sie in der Natur beeindruckt hat, wird nun umgesetzt. Bäume entstehen, Holzschuppen, Zäune, Tiere, in bunter Vielfalt.

Die einen arbeiten mit Kreide, andere mit Aquarell-, Öl oder Acrylfarben. Auch auf Buntstifte, Mischtechnik und Alkohol-Ink wird gesetzt, Collagen und Porträtzeichnungen werden erarbeitet und selbst das wilde Pouring, das den Farbverlauf dem Zufall überlässt, wird ausprobiert. Sogar Vergoldung ist im Angebot. „Ich biete diese breiten Arbeitsmöglichkeiten, damit die Teilnehmer ihre Lieblingstechnik finden können“, sagt Ernst Bernhauser.

Er geht von Tisch zu Tisch, gibt Ratschläge und greift selbst zum Stift, um beispielsweise zu zeigen, dass sich Kreidestriche verwischen lassen und dann beinahe einen Ölfarbeneffekt hinterlassen.

Jeder kann malen, was er will, und wird doch betreut von Ernst Bernhauser. „Unsere Treffen sollen Spaß machen“, sagt er. „Manchmal gehen wir in die Natur, um uns Anregungen zu holen. Wir lernen, Bäume, Gräser und Sträucher genau zu beobachten, denn nur wer genau schauen kann, kann auch gut malen.“ Seine Worte finden Anklang, genau werden seine Anweisungen registriert.

Ernst Bernhauser hat als Maler- und Tapezierer gearbeitet, bevor er sich zum Fachkrankenpfleger ausbilden ließ. Noch während seiner Berufszeit belegte er einen Lehrgang bei der Malzubehörfirma Schmincke. Seine Malerkarriere begann, und er merkte, dass seine Landschaftsbilder Anklang und Käufer fanden.

Diese Begeisterung möchte er jetzt auf seine Schüler übertragen. Sorgsam begleitet er ihre Arbeit und lässt dabei viel individuellen Freiraum, denn jeder soll seine ureigene künstlerische Anlage entdecken.

„Bevor ich hierherkam, habe ich vor allem Porträts gemalt“, sagt zum Beispiel Doris Kerp. „Nun wage ich mich auch an andere Motive.“ Man sieht es ihr und den anderen Teilnehmerinnen an. Sie sind konzentriert und voller Freude, fast meditativ bei der Sache und wagen sich auch an Experimente.

„Die Kreativität steht bei uns im Vordergrund“, sagt Ernst Bernhauser.“ Das wollen wir fördern, auch mit Malabenteuern. Wir besuchen Museen und laden Gastmaler ein, die uns ihre Arbeit erläutern.“ Er schmunzelt: Die Vielzahl an Teilnehmerinnen seiner Malgruppe, die manchmal bis zu 16 Maler umfasst, gibt ihm Recht.       

Die Bilder von Ulrike Schwieren-Höger zeigen Impressionen von der Arbeit der Malgruppe.           ush

Geheimnisvolle Expedition ins Reich der Biber

Im Dämmerlicht glitzert das Wasser der Teiche, ein leiser Wind streichelt die Wasserpflanzen, Baumriesen recken sich gegen den grauen Himmel und das schwindende Licht modelliert die Wolken. Still ist es, nur dann und wann raschelt etwas in den Herbstblättern. Gebannt stehen die Naturfreunde der „Jungen Alten“ im wasserreichen Tal nahe des Wildparks Schmidt und spähen in die Dunkelheit. Werden wir ihn sehen, den Biber, der bereits unzählige Bäume gefällt und die Landschaft für seinen Lebensraum umgestaltet hat?

Naturführer Udo Steinert hatte zuvor die Spannung erhöht. Bei einem Marsch über Feld und Flur erläuterte er die Eigenheiten des mit einer Länge  von ca. 1,20 Metern größten Nagetiers der Welt. Und die sind erstaunlich. Mit einem Kaudruck von 120 Kilogramm kann der Biber mit seinen imposanten Zähnen zubeißen. Kein Wunder, dass er mühelos Bäume fällt. Dies ist ringsum sichtbar. An den Hängen, am Ufer, am Wegesrand, überall liegen Baumstämme und Stöcke mit den markanten Nagespuren.

Es wird immer dunkler, und die „Jungen Alten“ sind mucksmäuschenstill. Seit 1981 ist das Tier wieder in der Eifel heimisch. Damals wurde es für 2000 Dollar pro Exemplar in Polen gekauft. Im Schmidter Wald leben heute vermutlich zwei Familien mit insgesamt acht Bibern. Werden sie sich zeigen?

Die Spannung wächst, noch immer regt sich niemand, alle starren angestrengt in die Dämmerung. Doch alles vergebens. Das Tier, das in Deutschland schon ausgerottet war, weil es einst wegen seines schönen Pelzes gejagt worden ist, und sogar zur Fastenzeit gegessen wurde, weil es kurzerhand zum Fisch erklärt wurde, lässt sich nicht blicken.

Immerhin: Bei der Nachbetrachtung beteuern drei Naturfreunde, Geräusche gehört zu haben. Ein leises Plätschern, ein Kratzen an den Ufern. Der Wald, das haben alle bemerkt, ist in der Dunkelheit ein mystischer Raum, der viele Geschichten erzählt, die wir im Alltag nicht hören. Deshalb hat sie Freude gemacht, diese geheimnisvolle Wanderung in die Dunkelheit mit Udo Steinert, der sich schon ein Leben lang den Bibern verschrieben hat, und sie liebt, wie das Leuchten in seinen Augen verrät, wenn er über sie erzählt.  ush

                               

Erstaunlich groß ist der Biber, wie Udo Steinert gerne mit dem Zollstock beweist.

Ein unheimlicher Drache? Ein Riesenfisch? Ein Untier? Nein, ein vom Biber gefällter Baumstamm im Dämmerlicht.