Witz, fetzige Musik und Tiefgang

Viel Beifall für den Ringelnatz-Abend in der EvA mit Dr. Dirk Chr. Siedler und „Canta Lyra“

Haben Sie schon einmal gehört, dass die Großmutter den bösen Wolf, das Rotkäppchen und auch noch den Jäger gefressen hat? Nein? Dann kennen Sie Joachim Ringelnatz (1883-1934) nicht. Er hat das Märchen kurzerhand umgeschrieben und erzählt es mit Wonne anders herum. Dr. Dirk Siedler, Dürener Pfarrer und Ringelnatz-Fan, hatte bei einem Gastspiel in Heimbach auch das Märchen vom Rotkäppchen im Gepäck. Gemeinsam mit der Düren-Eifeler Band „Canta Lyra“ begeisterte er rund 60 Zuschauer, die der Einladung der „Jungen Alten“ zum Ringelnatz-Abend gefolgt waren.

Siedler präsentierte Ringelnatz in seiner ganzen Schaffensbreite: Die skurrilen Gedichte aus der „Schnupftabakdose“ zählten ebenso zum Repertoire, wie die liebevollen Zeilen für seine Frau „Muschelkalk“ oder ein Geburtstagsgedicht, das sogar eine Ansprechpartnerin im Publikum fand, die zufällig gerade ihren Ehrentag feierte.

Nachdenklichkeit machte sich breit, als Siedler gestenreich aus den „Turngedichten“ vorlas, mit denen Ringelnatz die ideologisch-völkische Ausrichtung der Bewegung um Turnvater Jahn parodierte. In den munteren und doch so kritischen Versen schwang schon jene Gesellschaftskritik mit, die später zum Auftrittsverbot unter den Nazis führte.

Die Vielseitigkeit von Ringelnatz, seine grotesken, skurrilen, aber auch bitterernsten Verse machten den Abend zu einem Erlebnis, zumal die Musiker von „Canta Lyra“ sich bestens auf ihren Part vorbereitet hatten. Sie präsentierten mit virtuoser Spielfreude eine Musik, die wie maßgeschneidert zu den Texten des Dichters passte: Bertold Brechts Moritat von „Meckie Messer“ war ebenso dabei wie furios vorgetragene Stücke aus den 20er Jahren. Auch mit Eigenkompositionen wusste „Canta Lyra“ zu überzeugen, denn sie verstärkten die Nachdenklichkeit, aber auch die Lebensfreude, die mancher Vortrag im Publikum hinterließ.

Einen „hintersinnigen Alltagspoeten“ hatte Max Schmeling seinen Zeitgenossen Ringelnatz genannt. Wahre Worte. Das Publikum bedankte sich bei Dr. Siedler und „Canta Lyra“ mit viel Applaus und Zugabe-Wünschen für einen Frühsommerabend mit Witz, fetziger Musik und viel Tiefgang.              ush

Die Bilder von Walter Schöller zeigen Dr. Dirk Chr. Siedler (oberes Bild rechts) und die Musiker von „Canta Lyra“.            

Warum ein Schweinchen glücklich macht

Gute Laune war Trumpf beim Neujahrsempfang der „Jungen Alten“. Rund 80 Mitglieder kamen in die evangelische Kirche, EvA am Schönblick, und erlebten ein buntes Programm: Prächtig unterhalten von der Eifeler Musikgruppe „Canta Lyra“, ließen sie sich ein Gläschen Sekt schmecken und feierten den Anfang des neuen Jahrzehnts.
Die Vorsitzende Hilde Amrein erläuterte zum Auftakt der Veranstaltung, warum uns in dieser Jahreszeit Schweinchen, Kleeblatt, Hufeisen und Fliegenpilz glücklich machen und bedankte sich bei den Beiratsmitgliedern für die geleistete Arbeit.
Zwei Gruppen zeigten ihr Können: Frank Ledig begleitete die Sänger am Akkordeon zum Steigerlied, und Claudia Lüth stellte mit Hilde Amrein die neue Tanzgruppe vor (unser Foto oben), die sich seit ein paar Wochen zu Reigentänzen trifft.
Zum Schluss hatte Hildegard Kremers ihren Auftritt, die zehn Männern unter den Hut brachte. Das soll ihr erst mal einer nachmachen.                           ush/ Fotos: Walter Schöller

„Canta Lyra“ sorgte für gute Unterhaltung.


Hildegard Kremers (links) brachte zehn Männer unter den Hut.

So lustig war das Hütchenspiel.

Frank Ledig (rechts) begleitete die Gesangsgruppe am Akkordeon.

Die evangelische Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.