Ein Nachmittag voller Heimat

Einen „Heimatnachmittag“ kann man riechen, schmecken und hören: Bei einem duftenden Tässchen Kaffee, nostalgischen Süßigkeiten und dem überaus altmodischen „Kalten Hund“ lauschten fast 30 „Junge Alte“ in der EvA Eifeler Bräuchen und Anekdoten.

Ulrike Schwieren-Höger hatte in Eifel-Jahrbüchern gestöbert, um Heimatliches zu finden und auch Texte der Autorin Sophie Lange ausgesucht. Im Wechsel mit Hilde Amrein trug sie einen Strauß bunter Geschichten vor. Zum Erstaunen vieler kam dabei sogar Weltstar Mario Adorf zu Wort, denn er war in seiner Kindheit Eifler, weil – so berichtet er in seiner Autobiographie – seine Mutter kurz nach seiner Geburt von Zürich zurück nach Mayen ging, wo ihre Familie lebte.

Erschreckend für einige zu hören, was „De Schand“ für Bauernmädchen bedeutete. Und wie es zuging, wenn Mädchen von den Dorfburschen „ersteigert“ wurden, weckte bei einigen sogar Erinnerungen an eigene, nicht immer schöne Erlebnisse. Auch die Hausschlachtung war einen Blick zurück wert, und ganz aktuell wirkte ein Loblied auf den Kohleofen in der Küche, der gleichzeitig Herd und Backofen war und in den jetzigen merkwürdigen Zeiten vielleicht bald ein Comeback erleben wird.

Viel Temperament zeigte Walter Schöller, als er von der Schulzeit erzählte und in schönstem Heimbacher Platt ein Gedicht vortrug, das er als Junge in Schönschrift abgeschrieben hatte.

Der „Heimatnachmittag“ wurde umrahmt von Frank Ledig am Akkordeon und Mohamed Bidaoui am Bass, die unter anderem das Eifellied von Dagmar Ledig vortrugen und die Zuhörer zum Mitsingen animierten.

Und auch das ist wichtig: Wer Gefallen an dem „Heimatnachmittag“ gefunden hat und selbst etwas vortragen möchte, sollte sich melden. Wir organisieren gerne weitere Treffen, in denen die „gute alte Zeit“ in der Eifel wiederaufleben kann.                                         ush          

Gemeinsam für die Heimat: Akteure und Publikum erfreuten sich an Heimatthemen. Es durfte auch gesungen werden. Fotos: Walter Schöller

Die Mädchen wurden versteigert

Das Thema „Heimat“ beschäftigt die „Jungen Alten“ am Dienstag, dem 5. Juli, ab 15 Uhr, in der EvA am Schönblick: Hilde Amrein und Ulrike Schwieren-Höger lesen Geschichten über die „gute alte Zeit“ in der Eifel. Wie wurde ein Schwein geschlachtet, womit spielten die Kinder, wann wurden Mädchen versteigert, wie lebten die Frauen, wie ging man auf Brautschau? All das sind Themen, und Frank Ledig musiziert dazu auf dem Akkordeon. Zwischendurch servieren wir ein paar Leckereien, die auch an früher erinnern. Garantiert.

Wir bitten um Anmeldung bei Hilde Amrein, Telefon: 02446-3291 oder Ulrike Schwieren-Höger, Telefon: 02425-1888, schwieren-hoeger@t-online.de

Heimatpreis für die „Jungen Alten“

In einer Feierstunde überreichte Bürgermeister Peter Cremer gestern den „Heimatpreis“ an die Mitglieder der „Jungen Alten“ und an weitere sechs Vereine und Institutionen in Heimbach. Das Land NRW will mit der Auslobung dieses Preises das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger würdigen, die sich Tag für Tag für ihre „Heimat“ einsetzen.

„Bei „Heimat“ geht es um das Verbindende, um die Gemeinschaft und den Zusammenhalt. Nur eine Politik, die wertschätzt, was Menschen jeden Tag in unserem Land im Großen und vielmehr im Kleinen leisten, wird dazu beitragen, dass Heimat bewahrt und gleichzeitig für die Zukunft gestaltet werden kann“, heißt es in der Ausschreibung der Landesregierung. „Damit befähigt die Landesregierung – getreu dem Ziel: Heimat wächst von unten – Gemeinden und Gemeindeverbände vor Ort, das lokale Engagement unserer zigtausend ehrenamtlichen Tätigen zu würdigen.“

Der „Heimatpreis“ ist in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben worden. Die insgesamt 5000 Euro wurden in Heimbach an sieben Preisträger verteilt. 500 Euro erhielten die „Jungen Alten“ und die „Heimbachhilfe“ für Ihre Arbeit. Auf unserem Foto oben nehmen Wolfgang Virnich (Mitte) und Ulrike Schwieren-Höger stellvertretend für alle „Jungen Alten“ Urkunde und Preis von Bürgermeister Peter Cremer entgegen.
ush/ Fotos: Walter Schöller


In Reih und Glied: Die Heimatpreise warten auf die Preisträger.


Reinhold Quade und seine Bläser umrahmten die Feierstunde mit ihrer Musik.


Ein eindrucksvolles Schlussbild: So viele Preisträger erhielten in Heimbach den „Heimatpreis“.


Im Anschluss an die Preisverleihung gab es Sekt und eine kräftige Gulaschsuppe. Mitglieder der „Jungen Alten“ ließen es sich munden.